Der neue Status quo

1220 Wien, Rosthorngasse 5

Nach den Projekten Oskar-Grissemann Straße 11 und Urschenböckgasse 3 ist das Bauvorhaben Rosthorngasse 5 das dritte Projekt in Folge, bei dem SÜBA auf die Nutzung erneuerbarer Energien setzt. Ziel ist es auch hier, keinerlei fossile Energieträger zum Einsatz zu bringen.

Bei dem aktuellen Projekt im 22. Wiener Gemeindebezirk mit 82 Wohneinheiten wird erstmalig Energie aus dem Grundwasser genutzt, um eine ganzjährige Wärme- und Kälteabgabe im Gebäude zu ermöglichen. Bei dem Verfahren der sogenannten Betonkernaktivierung werden wasserführende Rohre durch die Betondecke geführt, deren enorm hohe Speichermasse genutzt werden kann, um alle Wohnungen in der Anlage mit geringstem Energieeinsatz zu temperieren.

Im Heizbetrieb wird Grundwasser aus einer Brunnenanlage entnommen, über Wärmepumpen geführt, dem Wasser geringfügig Wärme entzogen und dieses minimal abgekühlt wieder in eine andere Brunnenanlage zurückgeführt.

Mithilfe von kaltem Grundwasser wird das gesamte Gebäude in den wärmeren Sommermonaten im Kern abgekühlt.

Für den Betrieb der Wärmepumpen wird Strom verwendet. Seitens SÜBA wird angestrebt, diesen Strom ausschließlich aus erneuerbarer Energie wie Wasserkraft, Windkraft, Sonnenenergie, Biomasse und regionaler Kleinwasserkraft zu beziehen. Zur Sicherstellung der Lieferung dieses Naturstroms werden ausschließlich Verträge mit österreichischen Energiedienstleistern abgeschlossen, welche eine mit dem Österreichischen Umweltzeichen – Richtlinie UZ 46 „Grüner Strom“ zertifizierte Stromlieferung nachweisen können.

Zusätzlich soll bei dem Projekt eine Photovoltaikanlage am Dach installiert werden, um auch das Gebäude selbst zur nachhaltigen ­Energieproduktion zu nutzen. Der daraus gewonnene Strom wird in die eigene Heiz-/Kühlanlage gespeist und bewirkt in sommerlichen Spitzenzeiten eine komplette Unabhängigkeit von externen Energieversorgern. Im Jahresbetrieb wird durch die Eigenproduktion eine Reduktion der externen Stromlieferung und somit eine weitere Senkung der Betriebskosten für die Bewohnerinnen und Bewohner erreicht.

2000 Stockerau, Zentrum

Hervorgehoben sei an dieser Stelle auch noch das geplante Projekt im Herzen von Stockerau. Auf dem Grundstück zwischen Hauptstraße, Bahnhofsstraße und Austraße entsteht eine Wohnhausanlage mit 168 Wohneinheiten, welche sich aus sechs Baukörpern zusammensetzt. Die gegliederte Anordnung der Gebäude fügt sich ideal in das Ensemble des Stadtzentrums ein, und das gesamte Grundstück wird frei von motorisiertem Verkehr gehalten.

Im Hinblick auf die Baukonstruktion sollen die Gebäude in Holz-Hybridbauweise ausgeführt werden. Die tragende Struktur der oberirdischen Baukörper soll zum Großteil aus vorgefertigten Holzelementen, welche sich an der Fassade sowie im Innenraum widerspiegeln, bestehen.

Die Kombination der Materialien Holz und Beton stellt eine besonders nachhaltige Methode dar, denn während die Verwendung von Stahlbeton minimiert wird, soll der Werkstoff Holz im Vordergrund stehen. Zum einen wächst Holz ohne fossilen Energieverbrauch nach, zum anderen erweist sich der Energiebedarf bei der Herstellung im Vergleich zu Stahl oder Ziegel als wesentlich geringer. Auch der Aspekt der kurzen Transportwege von Holz aus heimischen Wäldern bedeutet weniger CO2-Ausstoß. Neben einem gesunden Raumklima und einer optimalen Luftfeuchtigkeit trägt der natürliche ­Baustoff zu einem perfekten Wärmeschutz im Winter und Sommer bei.

Auch bei diesem Projekt soll die gesamte Wohnhausanlage zukünftig mittels Bauteilaktivierung im Winter beheizt und im Sommer gekühlt werden. Hierbei wird – analog zum Projekt in Tulln – die mittels Tiefenbohrungen gewonnene Erdwärme als Energiequelle und Speichermedium genutzt.

LivingImFranks – Wiener Straße 6–8
3430 Tulln 

Auch das aktuelle Eigennutzerprojekt „LivingImFranks“ ist mit dem modernen Flächenheizsystem namens Bauteilaktivierung ausgestattet.

Bereits während der Rohbauarbeiten werden hierbei Rohrleitungen in die Geschossdecken eingelegt. Im Betrieb werden diese Rohrleitungen mit warmem oder kaltem Wasser durchströmt. So wird den Räumen entweder Wärme zugeführt, oder es wird ihnen Wärme entzogen. Das System ist somit gleichermaßen zum Heizen wie zum Kühlen des Gebäudes geeignet.

Die Wärmeversorgung des Gebäudes erfolgt bei diesem Projekt über Geothermie. Das bedeutet, dass die zur Beheizung des Gebäudes benötigte Wärme aus dem Erdreich stammt.

Über sogenannte Tiefensonden wird dem Erdreich Wärme entzogen und mittels einer Wärmepumpe nutzbar gemacht. Die hierfür eingesetzten Sonden befinden sich unter dem Gebäude und reichen bis in eine Tiefe von 200 Metern unter der Erdoberfläche. In dieser Tiefe herrscht das gesamte Jahr über eine konstante Temperatur von ca. 10 bis 15° Celsius. Mit der Wärmepumpe wird die Temperatur auf ein höheres Niveau angehoben, um die Erdwärme für die Heizung nutzbar zu machen.

Genauso wie dem Tiefensondenfeld im Winter Wärme entzogen wird, kann im Sommer Wärme aus dem Gebäude abgeführt und an das Erdreich abgegeben werden, was eine Abkühlung der Innenräume zur Folge hat und besonders energiesparend ist. 

Die Wärmeabgabe an die Räume bzw. der Wärmeentzug aus den Wohnungen erfolgt über thermisch aktivierte Stahlbetondecken (= Bauteil- bzw. Betonkernaktivierung). Die speziellen Eigenschaften dieses Systems ermöglichen einen besonders effizienten Betrieb der Wärmepumpenanlage.

Das Warmwasser wird über eine sogenannte Frischwasserstation im Durchlaufprinzip aus dem kalten Trinkwasser erzeugt. Es steht somit immer frisches Warmwasser zur Verfügung.

Komplettiert wird das Energiekonzept durch eine am Dach befindliche Photovoltaikanlage. Für den verbleibenden Energiebedarf wird vorrangig grüne Umweltenergie aus dem öffentlichen Stromnetz eingesetzt.

Das Gebäude- und Energiekonzept des LivingImFranks verknüpft unterschie­dliche Technologien zu einem intelligenten Gesamtsystem. Es ermöglicht hohen Wohnkomfort bei geringen Betriebskosten. Ein Gebäude, gebaut für die Zukunft.